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Was ist Pianopoly?

Der Name "Pianopoly" will auf eine vielseitige und mehrschichtige Pädagogik hinweisen, die sich durch ihre Polyvalenz den individuellen Bedürfnissen jedes Schülers bestmöglich anzupassen sucht.

Die Pianopoly-Pädagogik stützt sich auf 5 Grundsäulen:

  • Mehrdimensionales Lernen - Pianopoly beinhaltet fünf verschiedene Lernweisen, die die Einseitigkeit des "Nur-Nach-Noten-Lernens" überwinden und dem Schüler die drei Grundfertigkeiten jedes Instrumentalspiels leicht und sicher vermitteln soll: Musik hörend auffassen, freies Spiel und Notenspiel. MEHR DAZU
  • Selbstständiges Lernen - Pianopoly garantiert auf mehrfache Weise die Selbständigkeit des Schülers. Mit seiner Webseite ist Pianopoly ein autodidaktisches Lernsystem, wo der Lehrer, wenn überhaupt, erst in zweiter Linie in Erscheinung tritt. MEHR DAZU
  • Verbindung von systematischem Lernen und Freiheit - Der Pianopoly-Schüler hat die Freiheit, seine Lernstücke auszuwählen. Ist die Entscheidung gefallen, leiten ihn die vielen Facetten des Pianopoly-Systems auf best- und schnellstmögliche Weise zum Ziel. MEHR DAZU
  • Sinnbezogenes Lernen - Nur wenn das Lernobjekt sinnvoll ist, ist man motiviert, sich wirklich damit auseinanderzusetzen. Pianopoly gibt dem Schüler die Möglichkeit, wirklich zu einem an sich schon sinngebenden ästhetischen und praktischen Musikerlebnis zu gelangen und dieses durch gemeinsames Musizieren, Auftritte, Wettbewerbe, Publizierung von Kompositionen, usw ... um den wahrscheinlich ausschlaggebenden gesellschaftlichen Sinn der Anerkennung, des Teilens und Kooperierens zu bereichern. MEHR DAZU
  • Lernen mit zeitgemäßen Lernmitteln - Dem Pianopoly-Schüler stehen je nach Lernweise neben den Noten auch zahllose Video- und Audioaufnahmen zur Verfügung. Mit der Verlegung aller Lernmittel in das Internet gelingt es Pianopoly, diese Lernmittel für ein quasi unbegrenztes Publikum zugänglich zu machen und ein interaktives Verhältnis zwischen Anwender und Lehrsystem herzustellen. MEHR DAZU

A. MEHRDIMENSIONALES LERNEN

Im herkömmlichen Unterricht wird ein Instrument quasi ausschließlich über das Notenlesen gelernt. Mit der fortschreitenden  Beherrschung des Umsetzens von Noten in Musik erlangt der Schüler zwar einen immer besseren Zugang zum möglichen Spielrertoire, doch hat diese einseitige Lernpraxis eindeutige und schon von vielen Schülern (und Lehrern) leidvoll erfahrene Nachteile:

  • Es dauert sehr lange, bis der Schüler Zugang zu beliebten Stücken hat. So lässt sich z.B. "Für Elise" durch direktes Zeigen in kürzester Zeit von jedem Laien am Klavier erlernen. Über den Notenzugang dauert es dagegen Monate, bis der Schüler die Notenschrift überhaupt so weit kennt, dass er in der Lage ist, dieses wohl populärste Klavierstück nach Noten zu spielen (akzidentelle Vorzeichen, Überkreuzen der Hände und dadurch Schlüsselwechsel, Mehrstimmigkeit, Violin- und Bass-Schlüssel ... etc. ...).
  • Durch das bloße Lernen über Noten wird das Spiel oft steif und unorganisch, da beim Notenlesen eher die Schritte von einer Note zur nächsten gedanklich vorgestellt werden und das Stück als solches kaum als musikalische Einheit erlebt wird.
  • Wer ein Instrument nur über das Notenspiel lernt, kann in der Regel nicht improvisieren, frei spielen. Das liegt daran, dass der typische Notenspieler sich so verhält wie jemand, der eine Fremdsprache lernen möchte, diese aber nur liest und es tunlichst vermeidet, frei zu sprechen, frei vorgestellte Inhalte auszudrücken.
  • Vor allem am Klavier (weil es das "visuellste" Musikinstrument ist...), kann man ein Musikstück ohne jegliches musikalisches Vorstellen nach Noten lernen. Die Notenzeichen dienen dem Spieler dann lediglich dazu, die entsprechenden Tasten zu drücken und sie den Notenwerten gemäß entsprechend lang gedrückt zu lassen. Das Gehör, d.h. die alles entscheidende musikalisch lebendige Vorstellung, wird dadurch ausgeblendet und bleibt auf Dauer unterentwickelt.

Die Pianopoly-Pädagogik geht von dem Vergleich mit dem Sprachenlernen aus und hält daher jede Monokultur des Notenspiels (Lesens) für kontraproduktiv. Wer ein Musikinstrument wirklich spielen will, muss ständig und wiederholt:

  • Musik hörend auffassen und nachspielen,
  • sinnvolle Musikphrasen frei formulieren und
  • (letztlich) das Notenlesen lernen.

Genauso wie derjenige, der eine Sprache lernen möchte, ständig und wiederholt

  • die Sprache hörend verstehen und nachsprechen,
  • sinnvolle Sätze frei zum Ausdruck bringen und
  • (letztlich) die Sprache lesen lernen muss.

Ein Instrument nur nach Noten lernen und spielen ist so, als ob jemand sich mit Russisch befasst, indem er nur russische Sätze nach Vorlagen auf einer kyrillischen Schreibmaschine abschreibt und sich dabei weniger den Klang und den Sinn des Geschriebenen vorstellt als die zum Abschreiben nötigen jeweiligen Schreibmaschinentasten und kyrillischen Zeichen.

Aus diesem Grund beinhaltet Pianopoly 5 verschiedene Lernweisen, die die Einseitigkeit des "Nur-Nach-Noten-Lernens" überwinden und dem Schüler die drei eben geschilderten Grundferigkeiten jedes Instrumentalspiels (Musik hörend auffassen, freies Spiel und Notenspiel) leicht und sicher vermitteln soll: 

  1. Imitatio
  2. Gehörspiel
  3. Notenspiel
  4. Improvisation
  5. Techniken

IMITATIO

"Jemand (Video, Lehrer, Freund ...) zeigt's, der Schüler macht’s nach". Dies ist die so einfache und höchst effiziente Lehrmethode aller populären (nicht-akademischen) Musikkulturen. Man lernt mir ihr unvergleichlich viel schneller und einfacher als über das Notenlesen oder auch über das "Heraushören" mit CDs. Durch sie ging z.B. der "Flohwalzer" um die Welt. Sie ermöglicht den sofortigen Zugang zu komplexeren und deshalb motivierenderen Stücken. Der Schüler hört und sieht direkt auf dem Instrument wie ein Stück oder eine Passage gespielt wird und macht es einfach nach. Auf allen Lernniveaus werden dem Pianopoly-Schüler genau solche "Imitatio"-Lerneinheiten online angeboten, wobei ihm Lehrvideos das zu Lernende immer wieder "vor Augen und vor Ohren" führen können. Schneller und einfacher kann man nicht Klavier lernen! Um diese Lernweise noch abzurunden, kommen im "Imitatio" außerdem noch andere Lernpraktiken hinzu wie das Spielen bei gleichzeitigem Mitsingen oder die Transposition (Umsetzten desselben Stückes in andere Tonarten). Nachteile: Wer nur über das "Abkucken" ein Musikinstrument lernt, entwickelt weder ein sehr feines Musikgehör, noch die Fähigkeit des Notenlesens.

GEHÖRSPIEL

Diese Lernweise trägt entscheidend zur musikalischen Entwicklung des Schülers bei. Bei vielen Jazz-, Rock- oder Popmusikern war sie der "Königsweg" zu instrumentaler Meisterschaft. Man hört ein Musikstück und überträgt die dadurch entstandene Hörvorstellung unmittelbar auf das Instrument. Dies ist der Urreflex allen wirklichen Musizierens. Daher ist "Gehörspiel" im Pianopoly ein voll entwickeltes Konzept zum Erlernen von Stücken, welches sogar das Zentrum der Methode ausmacht. Der Pianopoly-Schüler wird im Laufe des gesamten Lehrprogramms immer mehr in die Lage versetzt, Stücke aus dem Radio, von CDs, usw oder aus dem Gehörgedächnis einfach nachzuspielen. Warum teure Noten kaufen, wenn man den neu erschienenen Hit oder eine schöne klassische Melodie auf so simple Weise quasi ohne Mühe direkt spielen kann?  Über die verschiedenen Lernniveaus wird der Pianopoly-Schüler mit immer komplexeren Stücken, Motiven oder Melodien in das Gehörspiel eingewiesen. Dafür stehen ihm online speziell aufgenommene Audiofiles zur Verfügung. Das "Gehörspiel" ist zwar für den Anfänger oft etwas weniger schnell und einfach als dle "Imitatio"-Lernweise (und dies ist wirklich sein einziges Manko), doch ist der Lohn umso größer: eine spielerisch leichte Beherrschung des Instruments, nur mit dem muttersprachlichen Sprechen einer Sprache vergleichbar.

NOTENSPIEL

Auch wenn Pianopoly das Notenspiel als alleinigen Zugang zum Intrumentalspiel ablehnt, gehört es  doch selbstverständlich zum Kanon der 5 Pianopoly-Lernweisen. Das Spiel nach Noten ist ja viel mehr als ein bloßes Medium zum Erlernen von Stücken. Es ermöglicht dem Musiker, sich der musikalischen Phänomene bis ins kleinste Detail bewusst zu werden und letztlich zu einem deutlich präziseren Spiel zu gelangen. Auch ist es erst über die Notendarstellung möglich, komplexe "akademische" Musik zu spielen (und überhaupt erst zu konzipieren). Ohne Noten wäre außerdem das Spiel der klassischen Meister praktisch unmöglich. Aber: wenn Notenspiel, dann richtig!! In der ebenso genannten 3. Lernweise von Pianopoly (“Notenspiel”) werden die Stücke ausschließlich über den Notentext gelernt, ohne jede Hilfe einer Aufnahme oder eines vorausgehenden Vorspiels des Lehrers. Denn wer sich die Stücke, die er nach Noten einstudieren will, vorher anhört, spielt nicht wirklich nach Noten und wird nie ein guter Notenspieler sein! Das Ziel beim "Notenspiel" ist, Noten sofort, ohne zu Üben, auf dem Instrument in klingende Musik umwandeln zu können, d.h. zunächst in eine Hörvorstellung und dann über den Hör-Spiel-Reflex in instrumentales Spiel. Dies erreicht Pianopoly, indem es den Schüler rein nach Noten (ohne voriges Anhören) immer längere Notenstücke "en bloc" spielen lässt. Auf der Pianopoly-Webseite können die Noten und Lernanleitungen zu den “Notenspiel”-Stücken eingesehen bzw. heruntergeladen werden. Die Nachteile des "Nur-nach-Noten-Lernens" wurden weiter oben schon ausführlich besprochen.

IMPROVISATION

Man fängt erst dann an, eine Sprache zu beherrschen, wenn man frei sinnvolle Sätze formulieren kann. “Frei” bedeutet hier: ohne ein vorformuliertes Modell, aus sich heraus. In der Musik heißt solches freies "Sprechen" Improvisation. Ein Musiker der nicht improvisieren kann, ist wie jemand der sich sprachlich nicht sinnvoll auszudrücken vermag. Aber selbst für interpretierte Musik (wie die großen klassischen Werke) ist die Fähigkeit der Improvisation eine unverzichtbare Voraussetzung, um komponierte Werke adäquat reproduzieren zu können, genauso wie man in der Lage sein muss, selbst sinnvolle englisch Sätze zu formulieren, um als Schaupieler in einem Shakespeare-Stück mitspielen zu können. Mit Pianopoly wird das freie Spiel von Anfang an entwickelt, da man auch schon mit einfachsten musikalischen Strukturen improvisieren kann (ein Kleinkind kann sich ja auch schon mit ganz wenigen Wörtern frei ausdrücken). Wartet man zu lange mit der Einführung des freien, kreativen Elements, dann hat der Schüler meistens zu große Überwindungsängste und meidet die Improvisation für immer.  Auf der Pianopoly-Webseite findet man: Freies Spiel auf schwarzen Tasten, spielerisches Umgehen mit Motiven, Improvisationen zu einfachen Ostinati (sich ständig wiederholende meist sehr einfache Begleitmuster), aber auch Jazzimprovisationen oder das Variieren von klassischen Themen, und vieles mehr. Häufiges Improvisieren fördert auch die Entwicklung der Geläufigkeit, des musikalischen Ausdrucks und die so überaus wichtige gewisse Unbefangenheit gegenüber dem Instrument. Nachteile: Wer nur aus dem Improvisieren heraus lernt, wird weder Noten spielen noch gut hören können. Allerdings ist gutes Hören auch eine Voraussetzung zur Improvisation ...

TECHNIKEN

Die vier vorangegangenen Lernweisen (IMITATIO, GEHÖRSPIEL, NOTENSPIEL und IMPROVISATION) reichen aus, um dem ursprünglichen Anspruch zu genügen, die oben geforderten drei instrumentalen Grundferigkeiten (Musik hörend auffassen, freies Spiel und Notenspiel) zu vermitteln. Die fünfte Lernweise ergänzt die vier anderen mit Praktiken, die entweder für die Kommunikation unter Musikern wichtig sind oder von vielen Musikern wegen ihrer vertiefenden Wirkung geschätzt werden. Im Lehransatz "Techniken" werden Arpeggien (gebrochene Akkorde) und Tonleitern transponiert, Schlüsse kurzer Stücke ergänzt, die Fingerfertigkeit trainiert, die Grundkenntnisse der Harmonielehre praktisch erfahren, das Lesen von Jazz-Akkordschemen gelernt, Begleitungen erarbeitet, usw … 

B. SELBSTSTÄNDIGES LERNEN

Eigentlich ist jedes Lernen selbstständiges Lernen. Denn niemand kann an Stelle eines anderen lernen. Der Lernprozess kann nur in demjenigen stattfinden, der lernt. Doch hat sich in unserer pädagogischen Tradition eine Art des Lehrens breit gemacht, die wirkliches Lernen verhindert und auf ein Pseudo-Lernen hinausläuft. Gemeint ist jene Praxis des überassistierenden "Beibringens", wo der Schüler eher oberflächliche Beschreibungen vermittelt bekommt, als dass ihm eine unvermittelte Einsicht gewährt wird. Die vorherrschende “oberflächliche Beschreibung” im Klavierunterricht ist der Notentext, wenn das Lesen über die Umsetzung von Noten- in Tasten- oder Bewegungsvorstellungen erfolgt und fast jede Note vom Lehrer mit Anleitungen versehen wird, wie der Schüler diese zu spielen hat (Fingersatz, Dynamik, etc.).

Ein Lernobjekt wird dann am Besten erfasst und verstanden, wenn der Schüler sich mit diesem selbstständig auseinandersetzt, wenn er sich in direktem, also unvermitteltem Kontakt mit ihm befindet. Insofern ist alles authentische Lernen selbstständig, ja autodidaktisch. Was heißt das im Instrumentalunterricht? Was heißt hier "sich selbstständig mit einem Lernobjekt auseinandersetzen", "sich in direktem Kontakt mit ihm befinden"? Es kann nichts anderes bedeuten als sich hörend und spielend mit einem Musikstück oder einer Spielweise (bei der Improvisation) auseinanderzusetzen und zwar derart, dass dabei die Hörvorstellungen und das Spiel so lange verbessert werden, bis diese vollends dem Modell (Aufnahme, Noten, etc.) entsprechen. In der Pianopoly-Pädagogik gestaltet sich dieser Prozess je nach Lernweise unterschiedlich:

Gehörspiel: Der Schüler hört sich eine Passage an. Es entsteht davon eine Hörvorstellung. Diese wird nun direkt in instrumentales Spiel umgesetzt und mit der Hörvorstellung verglichen. Das Spiel wird dann so lange korrigiert bis es dem Vorgestellten gänzlich entspricht.  Um sicher zu gehen, dass die Hörvorstellung auch dem Original entspricht, muss die Quelle (z.B. eine Audio-Aufnahme) immer wieder angehört werden und auch diese mit dem Spiel genau verglichen werden. Dieser ganze Vorgang wird so lange wiederholt, bis der Schüler sich selbst davon überzeugt hat, dass er das Original genau nachspielt.

Notenspiel: Zu Beginn des Lernprozesses muss der Schüler die Notenzeichen des Stückes in adäquate Hörvorstellung umsetzten. Bei Anfängern geschieht dies am besten, wenn die Noten zunächst gesungen werden, da nur beim Singen sicher davon ausgegangen werden kann, dass eine wirkliche Hörvorstellung vorliegt. Denn beim Klavierspiel besteht zu sehr die Gefahr, dass die Noten Vorstellungen von Tastenbildern und Bewegungsabläufen erzeugen (“... bei dieser Note muss ich jene Taste drücken ...”), die natürlich kaum etwas mit der eigentlich per Noten dargestellten Musik zu tun haben. Nur der erfahrene und auch gehörspieltechnisch sowie improvisatorisch fortgeschrittene Notenspieler kann ziemlich sicher sein, die Notenschrift auch beim Spielen und nicht nur beim Singen sofort in lebendig musikalische Hörvorstellungen umsetzten zu können. Sobald die Hörvorstellung vorliegt (und dies ist bei einem guten Notenspieler sofort der Fall), wird diese auf das Instrument übertragen. Wie beim Gehörspiel muss einerseits ständig überprüft werden, ob das Gespielte mit der Hörvorstellung übereinstimmt und andererseits, ob das im Verhältnis zur Hörvorstellung richtig Gespielte auch mit dem Notentext übereinstimmt. Dies wird so lange wiederholt, bis der Schüler davon überzeugt ist, dass er das Notenoriginal genau wiedergegeben hat.

Imrovisation: Da der Schüler hier nicht nach einer Vorlage spielt, wird direkt von Hörvorstellungen ausgegangen. Solche Vorstellungen sind aber weniger memorierte fertige Melodien oder Stücke als Vorstellungen über eine “Art zu spielen”. Der Lernende muss viele Motive, Melodien oder Stücke einer bestimmten Spielweise gespielt und gehört haben, bis sich solche über das Konkrete hinausgehende  Vorstellungen praktisch wie von selbst ergeben. Dann kann der Spieler sich in diese “Spielart” hineindenken und spontan passende Motive produzieren. Der Prozess des Hineinfindens in eine “Spielweise” ist nie zu Ende. Das Lernziel ist, die Improvisation immer variationsreicher zu gestalten und nicht zu beherrschen, so wie man ein Musikstück beherrscht.

Selbständiges Lernen heißt also beim Instrumentalspiel, sich in einem dieser soeben geschilderten Prozesse zu befinden, wo  Hörvorstellungen in immer wieder korrigierte Spielbewegungen umgesetzt werden, bis diese dem Original entsprechen.

Zur Selbstständigkeit des Lernens gehört aber natürlich auch ein eigenständiges Auswählen der Stücke. Nur der Schüler weiß, welche Stücke er mag. Und nur Stücke, die man mag, lernt man mit Motivation und Enthusiasmus. Letzteres ist aber die Bedingung “sine qua non”, damit erfolgreiches Lernen stattfinden kann. Ein “tolles Stück” kann ganze Etappen überspringen lassen und zu unglaublichen Leistungssteigerungen führen.

Was ist die Rolle des Lehrers in diesen Lernprozessen? Streng genommen, brauchen diese Vorgänge keinen Lehrer. Der Schüler muss selbst und alleine hören, alleine die Noten lesen, sich alleine in eine Spielart hinein denken und jeweils alleine vergleichen, ob das Gespielte mit der Hörvorstellung und dem Original (Aufnahme/Noten/Musikstil) übereinstimmt. Und nur wenn der Schüler dies alles selbst und alleine tut, lernt er, “kommt er vorwärts”. Wenn nur der Lehrer hört, hat der Schüler keine Hörvorstellung. Wenn der Lehrer die Noten vorsagt, lernt der Schüler die Noten nicht. Wenn nur der Lehrer improvisierte Passagen spielt, lernt der Schüler nicht improvisieren. Es gibt (noch?) kein Interface, mit dem Vorstellungen zwischen Gehirnen ausgetauscht werden können. 

Die Funktion des Lehrers liegt woanders: Der Lehrer sollte kontrollieren, ob der Schüler sich nicht irgendwo im Lernprozess täuscht oder irrt. Dies darf er allerdings erst dann tun, wenn der Schüler den (Selbst-)Lernprozess schon eine gute Strecke lang alleine durchlaufen hat. Der Lehrer kann also verhindern, dass der Schüler etwas Falsches lernt. Eine weitere wichtige Aufgabe des Lehrers ist die des Vorbilds. Wenn man leibhaftig sieht und hört wie jemand etwas macht, ist es wesentlich leichter, dies selbst zu tun. Doch muss mit der Vorbildfunktion sehr vorsichtig umgegangen werden. Sie darf die Selbstständigkeit des Lernens nicht korrumpieren. Der Lehrer sollte nur etwas “zeigen”, wenn der Schüler wirklich aus eigener Kraft nicht mehr weiter kann. Beim Lernen von Improvisation ist das “Zeigen” allerdings unbedenklich, ja sogar von großem Vorteil, da das freie Spiel von vornherein jedes konkrete Nachmachen ausschließt, und der Schüler somit durch das Vormachen des Lehrers lediglich stark zu eigenen Improvisationen inspiriert wird. Die zweite Funktion des Lehrers liegt also genau genommen in der Inspiration und Anfeuerung zu eigenen Leistungen des Schülers, die durch das Modell des Lehrers viel eher machbar erscheinen.

Die “Imitatio”-Lehrweise steht somit eigentlich im Wiederspruch zum selbstständigen Lernen. Im “Imitatio” wird ja fortwährend “gezeigt” und der Schüler ahmt nur nach, ohne sich selbst aktiv mit dem zu Lernenden auseinanderzusetzen. Es liegt eine starke visuelle Komponente vor, sodass das Spiel eher von Sehvorstellungen (Tastenbilder, Gitarrengriffe, usw) als von Hörvorstellungen bestimmt wird. Von selbstständigem musikalisch-auditivem Lernen kann also kaum die Rede sein.

Drei sehr wichtige Argumente sprechen allerdings dafür, "Imitatio" dennoch im Kanon der Pianopoly-Lernweisen zu belassen:

  • Der Rhythmus kann nicht "abgekuckt" werden und wird daher auch beim “Imitatio” über Hörvorstellungen gelernt.
  • Da beim Zeigen auf dem Instrument immer auch das Instrument erklingt, werden unbewusst Hörvorstellungen erzeugt und somit der Lernprozess auch von diesen mitgesteuert.
  • Durch die enorme Geschwindigkeit, mit der Schüler beim “Imitatio” lernt, und die Vorbildfunktion des Zeigenden ist diese Lernweise für Anfänger die am meisten motivierende und schon deshalb unverzichtbar.

Pianopoly garantiert auf mehrfache Weise die Selbständigkeit des Schülers. Mit seiner Webseite ist Pianopoly zuallererst eine Platform zum Selbstlernen, ein autodidaktisches Lernsystem, wo der Lehrer erst in zweiter Linie in Erscheinung tritt, und dies nur auf Wunsch des Schülers (siehe weiter unten). Der Lernende ist somit schon von der Grundausrichtung des Pianopoly-Lernsystems her gezwungen, sich erst einmal selbstständig, ohne Lehrer, mit seinen musikalischen Lernobjekten auseinander zu setzen. Hinzu kommt, dass quasi alle Pianopoly-Lernweisen (vor allem Gehörspiel, Improvisation und Notenspiel) vom hörend-spielenden Erlernen ausgehen und dadurch ein unselbstständiges, überassistiertes Lernen fast unmöglich machen.

Allerdings genießt jeder Pianopoly-Schüler von Anfang an auch die Vorteile eines "Spiel"-Raum lassenden Lehrers, da die Webseite an sich schon ein immer dienstbereiter Lehrer (im oben beschriebenen positiven, nicht überassistierenden Sinne) ist:

  • der in den Lernanweisungen den Schüler immer wieder ermahnt, nichts zu überspringen (z.B. nicht in die Monokultur einer bestimmten Lernweise zu verfallen und nur Notenspielstücke oder nur Imitationsstücke zu lernen), vertiefende Übungen anbietet, theoretisches Wissen erklärt (z.B. Harmonielehre), und vieles mehr,
  • der dem Schüler in jedem Schwierigkeitsgrad und für jede Lernweise (insgesamt momentan mehr als 125 Kategorien) eine breite Auswahl von Stücken vorschlägt,
  • der dem Schüler durch die Videos in den Imitations- und Improvisationsabschnitten als lebendiges und anspornend motivierendes Modell dient.

Darüber hinaus kann der Schüler die Hilfe eines "wirklichen" (lebendigen) Pianopoly-Lehrers in Anspruch nehmen, sich korrigieren und beraten lassen, sich austauschen, sich inspirieren lassen, sich Sachen zeigen lassen, die er selbst nicht gefunden hat, und so weiter ... Dafür gibt es 2 Möglichkeiten:

  1. sich online bei einem Pianopoly-Tutoren anmelden, wobei die gesamte Kommunikation online von Statten geht,
  2. sich bei einer Pianopoly-Schule anmelden, wo man in der Regel einmal pro Woche seinen Lehrer trifft.

Mehr dazu durch persönliche Anfrage (Kontakt).

C. VERBINDUNG VON SYSTEMATISCHEM LERNEN UND FREIHEIT

Freiheit und System schließen sich definitionsgemäß aus. Wer sich einem System unterwirft, kann normalerweise nicht frei handeln. Dennoch ist die Kombination von Freiheit und System möglich, da beide in einer bestimmten Situation oft nicht den gleichen Bereich betreffen. Wenn jemand sich zum Beispiel in der schönen Lage befindet, für einige Wochen verreisen zu können, hat er die Freiheit, sich unter mehreren möglichen Reisezielen eines auszusuchen. Sobald er sich aber entschieden hat, zwingt ihn die Entscheidung für das ausgesuchte Reiseziel zu systematischem Handeln, wenn er best- und schnellstmöglich ans Ziel kommen möchte. Beim Lernen von Musikinstrumenten sollte es genauso sein: Der Schüler hat die Freiheit, ein Stück auszuwählen, welches ihm gefällt und motiviert. Ist die Entscheidung gefallen, muss er systematisch vorgehen, um das Stück auf best- und schnellstmögliche Weise zu lernen.

Die freie Auswahl von Stücken gehört zum Pianopoly-Lehrsystem. Zum Beispiel: für jede der zahlreichen Lernkategorien in den Klavierkursen stehen mehrere Auswahlstücke zur Verfügung, welche der Lernende anhören und oft auch ansehen kann (Imitatio und Improvistion). Die Wahlmöglichkeiten weiten sich außerdem immer mehr aus, da Schüler und Lehrer die Möglichkeit haben, neue Stücke oder Improvisationsgrundlagen online vorzuschlagen und einzubringen.

Dieses so wichtige Zuerkennen der Wahlfreiheit der Stücke bedingt auch, dass weitgehend alle relevanten Musikstile in Pianopoly Einzug gefunden haben. Das Pianopoly-Repertoire beinhaltet genauso klassische Stücke, wie Stücke aus dem Pop, der Folklore oder dem Jazz. Dies geschieht nicht nur, um sich den möglichen Schülerpräferenzen anzufassen, sondern auch aus der tiefen Überzeugung heraus, dass es in allen Musikstilen gute und schlechte Musik gibt und dass die heutige Musikwelt in mehrfacher Hinsicht multi-kulturell ist. Die Pädagogik muss sich den gegebenen Bedingungen anpassen und den Schüler in diese vielfältige Welt bestmöglich einführen. Dies bedeutet jedoch nicht die Aufgabe des Anspruchs zu gutem Geschmack und Qualität. Vielmehr soll durch die intensive Auseinandersetzung mit Musik, die man mag, der Sinn für musikalische Qualität und Schönheit erworben werden.

Das Pianopoly-Lehrsystem ist durch 2 Grundparameter strukturiert, die die jeweiligen Lernkategorien bestimmen:

Innerhalb jedes Schwierigkeitsgrads bietet das Lernsystem optimale Vorgehensweisen an, welche schon im Abschitt über die 5 Lernweisen besprochen wurden, aber auch systematische wiederkehrende Zusatzübungen, wie Transpositionen, Tonleiterexplorationen, Improvisationen, etc. ...

D. SINNBEZOGENES LERNEN

Motivation zum Lernen kann nur dann wirklich entstehen, wenn sinngebende Rahmenbedingungen herrschen. Man muss wissen (zumindest unbewusst), warum und wofür man lernt. Das gilt nicht nur für das Profane, sondern auch für die Kunst und natürlich auch für die Musik. Die allerwenigsten Musiker leben im einsamen und abstrakten Olymp der reinen, nur aus sich heraus motivierten Kunst ("l'art pour l'art", wenn es das überhaupt gibt). Der Sinn, für den musiziert wird, kommt aus den unterschiedlichsten Quellen und ein Lernsystem sollte versuchen, diese zu berücksichtigen und zu integrieren.

Was bewegt uns, ein Musikstück spielen zu wollen, einen Song zu komponieren oder einen Musikstil zu lernen?  Und in wiefern werden diese Beweggründe von Pianopoly berücksichtigt?

Zunächst hat man Gefallen an einem musikalischen Lernobjekt. Ein Stück gefällt und man möchte es lernen. Punkt um! Solches Gefallen gibt dem Lernprozess den zuerst wahrnehmbaren Sinn. Stücke, die nicht gefallen, wird der Schüler nur aus “künstlichen” sekundären Gründen lernen, die kaum in der Lage sind, authentische Motivation zu erzeugen und daher nur ein langsames oder gar kein Lernen ermöglichen. Dies ist mit ein Grund, warum der Pianopoly-Schüler sich seine Lernstücke selbst aussucht.

Aber das Gefallen bestimmt sich nicht nur aus den musikalischen Charakeristiken des Stückes heraus. Die Musik ist sozialen Ursprungs und deshalb sind es weitgehend soziale Momente, die letztendlich zum Musizieren bewegen. Es interessiert hier weniger, dass der Musikgeschmack von diesen oder jenen gesellschaftlichen Zwängen bestimmt (ja manipuliert) wird und oft zu einem eher “schlechten” Geschmack führt. Dieser verändert sich ja auch zum Positiven bei einer intensiveren Auseinandersetzung mit Musik. Was hier in Betracht kommt, ist die Tatsache, dass man das Musikerlebnis mit anderen teilen will. Man möchte mit anderen musizieren, für andere spielen, sich in seinem Können mit anderen messen, seine Kreationen vorführen, kurz: an einem Musikleben teilhaben! Das einsame Genie am Klavier, das sich in immer höhere Sphären der Kunstmusik emporschwingt ist ein romantischer Mythos.

Pianopoly bietet in vielfältiger Weise die Teilnahme an einem lebendigen Musikleben:

  1. Dem Pianopoly-Schüler steht eine Online-Bühne zur Verfügung, wo er sich vor einem internationalen Publikum mit seinen besten und liebsten Stücken produzieren kann.
  2. Der Pianopoly-Schüler kann am jährlichen Pianopoly-Wettbewerb teilnehmen, dadurch sein Können mit anderen Schülern messen und sogar Preise gewinnen.
  3. Der Pianopoly-Schüler kann online seine Kompositionen vorstellen und dadurch weltweit veröffentlichen.
  4. Der Pianopoly-Schüler kann sich aktiv am Ausbau und an der Weiterentwicklung der Pianopoly-Webseite beteiligen, indem er für das Lernrepertoire neue Stücke vorschlagen, eigene Kompositionen als Lernobjekte für die anderen Schüler einbringen, und schließlich Verbesserungsvorschläge machen kann.

E. LERNEN MIT ZEITGEMÄSSEN LEHRMITTELN

Pianopoly ist eine Lehrmethode, die die Monokultur des ausschließlichen Lernens über Noten überwinden möchte und deshalb dem Schüler gleichrangig und gleichzeitig andere Lernweisen (Imitatio, Gehörspiel, Improvisation und Techniken ... siehe oben ...) anbietet. Diese "notenlosen" Lernarten funktionieren nicht über das eher intellektuelle Dekodieren von Zeichen, wie eben bei Noten oder auch Tabulaturen, sondern über den direkten Sinneszugang. Das war vor den rezenten technischen Revolutionen nur über den Einsatz eines Lehrers möglich und medial nicht zu verbreiten, wie etwa Notentexte über den Druck.

Mit der Möglichkeit Visuelles und Auditives (Bild und Ton) als solche elektronisch zu konservieren, sind diese auch medial verbreitbar. Dies macht sich Pianopoly zu Nutze. Dem Schüler stehen je nach Lernweise neben den Noten (diese wurden ja von Pianopoly nicht abgeschafft!) auch Video- und Audioaufnahmen zur Verfügung, sodass das Lernen erheblich an Anschaulichkeit gewinnt und den Lernprozess stark beschleunigt. Es ist sogar möglich, auch die Notenstücke am Bildschirm zu lernen und auf diese Weise Papier sparen zu helfen.

Mit der Verlegung aller Lernmittel (Noten, Erläuterungen, Videos, Audios, etc.) in das Internet gelingt es Pianopoly, diese Lernmittel jederzeit und leicht einem quasi unbegrenztes Publikum zugänglich zu machen. Doch nicht nur dies! Die multilaterale Kommunikationsfähigkeit des Internets erlaubt es, eine lebendige vernetzte Musikwelt zu schaffen, wo der Schüler nicht nur Stücke auswählen und lernen kann, sondern mit Auftritten, Austausch, Veröffentlichungen, Prüfungen usw an einem regelrechten Musikleben teilhaben und mit seinen Kritiken und Vorschlägen diese Welt sogar mitgestalten kann.

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